Fremdenverkehrsverein Altaussee
Die Ruine Pflindsberg

Der Loser Salzbergwerk Pflindsberg Via Artis Via Salis

Aus der Geschichte der Burg Pflindsberg - Gerichtsbarkeit

Schon im 13. und 14.Jahrhundert durfte im Bezirk der Herrschaft Pflindsberg die "niedere Gerichtsbarkeiten ausgeübt werden, wogegen die "höhere Gerichtsbarkeit", das war die Behandlung der schweren Kriminalfälle, dem Landgerichte im Ennstale mit dem Sitz in Strechau zustand.
Mit Urkunde vom 21 .Juli 1409 erteilte Herzog Ernst der Eiserne dem Markt Aussee das Recht, daß ein "todeswürdiger Verbrecher daselbst gerichtet" werden kann. Es musste aber vorerst noch der Ennstaler Landrichter nach Aussee reiten, um den Verbrecher in Aussee abzuurteilen, obgleich in Aussee Richter seit 1293 nachweisbar sind.

Zwischen 1460 und 1490 wurde von Kaiser Friedrich.III. auch die Umgebung den Markes, der als "Gäu" benannte Bezirk Pflindsberg, aus dem Landgericht; Ennstal  ausgeschieden. Unter dem Verweser Hans HERZHEIMER, dem, u.a. 1498 der "Genuß der Eisenmaut und des Gäugerichts" zugesprochen wurde, findet sich :schon eine Anordnung, wonach die Hallamtsverweser "Täter in den Turm zu Pflindsberg schaffen" lassen sollen.
Die Burg Pflindsberg, die infolge der allgemeinen Befriedung ihre ursprüngliche Aufgabe als Bollwerk und Befestigungsanlage verloren hatte, bekam mit der Übertragung der selbständigen Gerichtsbarkeit eine neue Aufgabe, sie wurde Gefängnis und Hinrichtungsstätte für Verbrecher.
Aus Protokollen (im Landesarchiv) geht hervor, das 1516 der Pflindsberger Urbarsmann Alois GRYL als Mitglied einer Mörderbande befangen wurde. Er wurde mit dem Strang auf dem Pflindsbergschloß gefoltert und gestand nicht weniger als 31 Morde, ferner eine Reihe Raubüberfälle, Diebstähle und Einbrüche. Nach und nach gab er 34 Mittäter namentlich an, die im Ennstal und im Salzkammergut zu Hause waren. Die Beute, die den Ermordeten geraubt wurde, bestand oft nur aus wenigen "Pfund". Alois GRYL wurde mit dem Strang auf dem Pflinsberg hingerichtet.
Eine weitere Vollstreckung eines Todesurteil es ist aus 1643 überliefert. Die ledige Magd Barbara FROSCH wurde wegen mehrfachen Kindesmordes, auf Pflindsberg enthauptet.
Wenn Gefangene "peinlich" (also mit Folter) betragt wurden, mußten die Beisitzer des Marktgerichtes jedesmal auf den Pflindsberg reiten. Dafür stand ihnen vorher und nachher eine Stärkung zu, die mit 3 Gulden verrechnet wurde.
Als Aussee nach den Wirren der Gegenreformation seine Marktfreiheit und das Recht der freien Richterwahl zurück bekam, erstarkte auch die  Marktgerichtsbarkeit wieder. 1608 wurde oberhalb St.Leonhard das "Hochgericht" neu gebaut und ein Galgen errichtet. Dort wurden auch die Hingerichteten bestattet und noch vor wenigen Jahren wurden beim Verlegen von Wasserleitungen menschliche Skelette gefunden. Es läßt sich aber heute nicht mehr sagen, ob der im Oktober 1646 zum Tode verurteilte Philipp FRIEDTMANN noch auf Pflindsberg, oder in St.Leonhard hingerichtet worden ist.
Schon unter Christoph von PRAUNFALK wurde 1529 das "Gäugericht" dem Marktgericht übertragen und dafür die Hälfte der Gerichtskosten übernommen. In den folgenden, Jahrzehnten kam es aber wegen dieser Kosten immer wieder zu Streitigkeiten. Am 1.August 1651 wurde diese Kostenteilung zwischen Markt und Pflindsberg neuerlich festgelegt.
Trotz dieses Vertrages weigerte sich der Verweser Franz Karl von MATZ 1720 die Hälfte der Gerichtskosten an den Markt Aussee zu zahlen. Gegen MATZ wurden aber noch weitere Vorwürfe erhoben, so habe er sich herausgenommen, Unzuchtsfälle nur mit Geld zu bestrafen, ja. sogar eine Kindesmörderin habe er heimlich mit Geld abgestraft und dann  entlassen. In anderen Fällen soll er aber nicht so großzügig, gewesen sein, denn ein weiterer Vorwurf lautete, er habe begonnen, sich die Landgerichtsbarkeit anzumaßen und bis dato höchst verbotene, sogar in den schärfsten Hexenprozesse niemals gebrauchte Torturinstrumete anzuwenden.
Der Streit zwischen MATZ und dem Markt Aussee ging erst zu Ende, als 1749 die Pfandschaft der Herrschaft Pflindsberg gekündigt wurde und Pflindsberg 1750 in die Staatsverwaltung überging. Damit hört auch das Gäugericht Pflindsberg auf zu bestehen.

Aus der Geschichte der Burg Pflindsberg - Umbau 1574

Aus der wechselvollen Geschichte
der einstigen Burg Pflindsberg dürfte der Umbau in den Jahren 1574/75 zu den .interessantesten Abschnitten zählen, weil daraus über Umfang und Ausmaß des Bauwerkes aufschlussreiche Schlüsse gezogen werden können.

Kostenvoranschlag und Abrechnung über diesen Umbau sind im Landesarchiv noch vorhanden. Anhand dieser Unterlagen brachte der Historische Verein. für Steiermark im Jahre 1910 in seiner Zeitschrift eine ausführliche Abhandlung, der im wesentlichen die folgenden Daten entnommen wurden.
Erzherzog Karl II. von Steiermark gab den Befehl, die damals schon arg verfallene Feste Pflindsberg. wieder in besseren Zustand zu versetzen, damit dem dort wohnenden Bergmeister eine erträgliche Wohnung geschaffen werde. Der Salzverweser Adam v. Wucher wurde mit der Untersuchung des Bauzustandes betraut und dieser erstattete am 19.Juli 1574 sein Gutachten der Hofkammer in Graz. Der Kostenvoranschlag  für die notwendigen Herstellungen wurde von Wucherer, dem nachfolgenden Salzverweser Hans v. Höhenwart und dem Ausseer Gegenschreiber Balthasar Tollinger unterzeichnet.
Anfänglich schienen am Gemäuer des Turmes, darin das Gefängnis  für die Malefizpersonen ist, nur die Bund- und Ecksteine ausgewaschen und locker zu sein, doch die nähere. Untersuchung zeigte, das auf der Wetterseite zwei Mauern des Turmes durch und durch moderig und brüchig geworden. Es sei daher notwendig; die eine Turmseite an der nördlichen Ecke ganz und die anstoßende zur Hälfte bis zum Grund abzutragen und neu aufzuführen, somit. 8 1/2. Klafter in der Länge,  7 1/2 Klafter in der Höhe bei 1 Klafter Mauerstärke, zusammen ca. 64 Kubikklafter, (1 Klafter = 1 , 90 m).
Das Abbrechen, Wegräumen, Rüsten, Steinbrechen, Kalkbrennen, Sandwerfen, Zuführen und Aufmauern kostet für jede Klafter 3 Gulden, im ganzen daher 192 Gulden. Bei der Arbeit sei folgendes zu beobachten:
Zum Grund und zum Verblinden an der Turmecke sollen von unten bis oben nur lange, größere Mauersteine verwendet werden, auch soll die Turmecke nicht wie vorher scharfkantig, sondern stumpf gemacht werden, was durch querüberlegen eines dritten Steines vor die beiden Bindsteine zu geschehen hat, Sämtliche Bindsteine sollen durch die ganze Mauerstärke  reichen. Da das Schloss im Gebirge liegt und namentlich an der Wetterseite heftigen Regengüssen und Stürmen ausgesetzt ist, soll die Turmseite nicht aus Bruch, sondern ganzen Mauer- und  Bindsteinen  massiv gemacht und alles Steinwerk inwendig in Mörtelmasse, auswendig aber zwei Finger breit in wachsendes Moos gelegt werden. Wenn das Moos wächst,, vermag dann das Regenwasser nicht durch die Steine einzudringen und so dem Mörtel und Mauerwerk Schaden zuzufügen.
Die gewölbte Küche wäre eingefallen, weil die Mauern zerkloben und gewichen seien. Die Küche sei zum Notgebrauche mit einer hölzernen Decke versehen worden, ebenso die darunter gelegene Pfister Backstube, dies sei jedoch sehr feuergefährlich. Beide müssten neu gewölbt werden. Da die Länge und Weite des Küchengewölbes 20 und die Pfeiler 6 Klafter betrügen, jede Klafter aber auf 3 Kreuzer zu stehen komme, koste  die Küchenwölbung 9 Gulden 6 Kreuzer, das Abtragen und Aufmauern der zerklobenen Seitenmauern 4 G und 4 Kr, das Abtragen des alten Gewölbes und Rauchfangs 7 G, sowie die Herstellung eines neuen Rauchfangs 1  G und 7 Kr, das Vertünchen von 41 Klafter Wandflächen in der Küche und am Rauchfang 5 G und 1 Kr und ein neuer Backofen und Herd samt den Ziegeln und der .Fuhr 7G. Das Gewölbe in der Backstube kostet gleich dem in der Küche 9 G und 6 Kr, das Beschütten des Gewölbes und die Legung eines hölzernen Fußbodens in der Küche 3 Gulden, die Pflasterung des untersten als Keller benützten Gewölbes 3 Gulden, die Herstellung eines kleines Gewölbes unter dem Tor 3 Gulden 3 Kreuzer, die bessere Herrichtung des Stübchens ober dem Tor, das bisher im Winter keine Wärme hielt, 4 G, ein Estrich darin 1 G und 2 Kr, das Ausbrechen eines Fensters und einer Tür in der alten,  großen Kammer 3 G, die Zuleitung des Wassers in das Schloss 5 G und 4 Kr, hundert eiserne Röhren zu diesem Zwecke 2 G und 20 Kr, Bauzeug, ein Kalkofen, Sand, das Brechen und Zuführen der Bausteine und dergleichen etwa 120 Gulden, zusammen daher 384 Gulden, 3 Kreuzer und 2 Pfenning.
Die Hofkammer war mit dem Umfang der vorgesehenen Reparaturen nicht ganz einverstanden und wollte wenigstens die kostspieligen Steinbauten des Turmes einsparen, weil zur Verwahrung der Malefizpersonen auch ein aus Holz errichtetes Gefängnis ausreiche. Der Landesfürst gebot aber mit Befehl vom 14. August 1574, das Schloß Pflindsberg im beantragten Ausmaß herzustellen und wies den gesamten Betrag dem Hallamte in Aussee an.
Es wurde also damals der als Gefängnis benutzte, stark verwittert gewesene Turm zum Teil neu aufgeführt, die verfallene Küche und Backstube neu eingewölbt, mit neuem Rauchfang und Backofen versehen, ein Keller gepflastert, ein Tor gewölbt, darüber ein Stübchen bewohnbar gemacht, die große Stube im Schlosse mit einem neuen Fußboden versehen und in der alten großen Kammer eine Tür und ein Fenster hergerichtet. Eine Wasserleitung wurde gelegt, weil die Herstellung einer eigenen Leitung zu kostspielig war, als die Zufuhr des Wassers von dem unterhalb liegenden Viehstalle
Dies war die letzte größere bauliche Veränderung der Burg Pflindsberg und es ist in den  Unterlagen von einem späteren Umbau nichts mehr zu finden

Aus der ,Geschichte der Burg„ Pflindsberg - Herrschergeschlecht

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob der Name unserer Burg von einem Herrschergeschlecht abgeleitet wurde und ob es auch einmal "Ritter von Pflindsberg" gegeben habe. Leider muß diese Annahme verneint werden, weil bisher ein Familienname "Pflindsherg" weder als Erbauer, noch als Bewohner der Burg, aber auch nicht als Pfandinhaber der einstigen Herrschaft nachgewiesen werden konnte.

Der Name "Phlinsperc" findet sich erstmals in der Reimchronik Ottokars von Steiermark, eines Dichters und Geschichtsschreibers, der im 13.Jahrhundert in der Steiermark lebte. In 83.000 Versen hatte er die Ereignisse seiner Zeit niedergeschrieben und darunter finden sich folgende Zeilen:

"Ouch diente dem fürsten rich  der Halberc und Usze, daz er gewunne krefte me, den Phlinsperc er bute."

Als Fürst war Philipp von Sponheim, Erzbischof von Salzburg gemeint, der seit 1248 das Ennstal bis Rottenmann besetzt hielt und um 1250 zur Festigung seiner Herrschaft Bollwerke in Aussee und Rottenmann errichten ließ. Damals war also nicht nur der "Halberc" (Salzberg) und "Usze" (Aussee) von großer Bedeutung, sondern auch schon der Name Pflindsberg bekannt. In der letzten Verszeile könnte daher ebenso gemeint sein, daß er den Pflindsberg "bebaute", also befestigte Das errichtete Bollwerk erhielt dann einfach den Namen des Berges, auf dem es errichtet worden war.
Die Schreibweise für Pflinsberg änderte sich im Laufe der Jahrhunderte oftmals und in alten Urkurden verwendete man die Bezeichnungen  "Vlinsberk;", "Flinsberg", "Flinzberg" oder auch "Pflinzberg" und "Pflienzberg". Der Volkssage nach bedeutete aber das Wort "pflienzen" soviel wie fürchten. Es dürfte sich daher um eine Stätte gehandelt haben, die gefürchtet war. An Gründen dafür wird es ja in grauer Vorzeit nicht gemangelt haben. Auf jeden Fall erhielt der Pflindsterg seine Berechtigung zum "Fürchten" auch später noch, als die Burg als Kerker verwendet wurde und Hinrichtungsstätte für Verbrecher war.
Julius Wallner schrieb 1910 in "Beiträge zur Geschichte der Herrschaft und des Schlosses Pflindsberg", daß die Burg Pflindsherg der Mittelpunkt einer räumlich  ausgehenden landesfürstlichen Herrschaft war, die von ihr den Namen führte. "Kein stolzes Edelgeschlecht trägt von ihr den Namen" resümierte  Wallner, der die Geschichte von Pflindsberg an Hand der erreichbaren Urbare und Archive Handschriften und Urkunden eingehend studiert hatte.

Aus der Geschichte der Burg Pflindsberg - Herrschaft

Der Salzburger Erzbischof Philipp von Sponheim läßt 1250 die kleine Burg Pflindsberg bauen, sie soll ihm als Bollwerk gegen die Ungarn dienen. Überliefert wurde das in der Reimchronik des steirischen Geschichtsschreibers Ottokars von der Geul.

Die Herrschaft Pflindsberg durfte im 13. und 14. Jahrhundert die niedere Gerichtsbarkeit ausüben, sie erteilte Herzog Ernst der Eiserne. Danach wurde auch die Umgebung von Aussee vom Landgericht Ennstal ausgeschieden und das Gaugericht Aussee der landesfürstlichen Herrschaft Pflindsberg übertragen.
Vom Ende des 15. Jahrhunderts an existierte ein Urbar, das die Rechte des Schlosses Pflindsberg beschreibt: Item, die alte gewöhnliche Burghut ist aus dem Amt zu Aussee jährlich 32 Pfund (nicht mehr 50 Pfund wie 1267 Item fitem = ebenso) ein jeglicher Pfleger beholzt sich zur Notdurft des Schlosses (Bedarf) aus den Hölzern und Wäldern, die um das Schloß liegen. Item, wann auch etwas (gerichtlich) verhandelt oder gesprochen wurde an dem Hallamt zu Aussee, so mögen die Verweser dieselben Täter in den Turm zu Pflindsberg schaffen. Item von jedem Haus, das der Burg untertan ist, schuldig im Jahr ein Tag Robott oder dafür 12 Pfennig.
Nach 1500 trat man sie aber dem Marktgericht ab. Auch die Hallinger hatten die Urbarsverwaltung Pflindsberg inne.
Aus den Protokollen (im Landesarchiv) geht hervor, daß 1516 der Pflindsberger Urbarsmann Alois Gryl als Mitglied einer Mörderbande gefangen und "mit dem Strang auf dem Pflindsbergschloß" gefoltert wurde. Auf der Folter gestand er 31 Morde. Gryl wurde durch den Strang hingerichtet.
1523 Die Herrschaft Pflindsberg wurde auch verpfändet, große Willkür riß ein, im Zuge des Bauernaufstandes kam es daher auch in Aussee zu Unruhen.
Ein neues Urbar für Pflindsberg trägt das Datum 4. Dezember1568. 1572 unter dem Verweser Wucherer wurde der Zustand der Feste Pflindsberg untersucht. Die Bauausbesserung erfolgte zwei Jahre später und kostete 384 fl. 62 Pfenning. Die Ausbesserungsarbeiten betrafen im wesentlichen den Turm, der als Gefängnis benützt wurde. Zu dieser Zeit wohnte niemand mehr im Schloß.
Nach dem Pflindsberg mehrfach verpfändet wird, ist  1755 die Rede davon, daß der neue Verweser Elias  Ehrenreich Springer die Burg nicht mehr zu renovieren brauche, da sie nur vom Bergmeister bewohnt wird. Das Gäugericht hört auf zu bestehen  und die Feste wird dem Verfall preisgegeben,
In den 50er Jahren wurden aus den Herrschaftsgebieten von Pflindsberg und Hinterberg die "freien Ortsgemeinden" Altaussee, Grundlsee, Reitern,  Strassen, Pichl und Mitterndorf gebildet. Die  Rechte der Herrschaft wurden abgelöst

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